Historie der LVZ-Volkskorrespondenten

Sie waren ein Markenzeichen des DDR-Journalismus, die Volkskorrespondenten.  Kürzel: VK. Vor allem für die Lokalredaktionen waren sie unerlässlich. Ausgehend von der kommunistischen Überzeugung, dass die Arbeit der Volkskorrespondenten ein Teil der Machtausübung der Arbeiterklasse ist, sah die SED in ihnen einen wichtigen Verbündeten bei der Propagierung ihrer Interessen. Sie berichteten und fotografierten über Ereignisse aus ihren Betrieben, Genossenschaften, Sportvereinen, Städten und Dörfern. Sie sicherten damit eine gewisse Lebensnähe zu den Problemen des DDR-Alltages. Ihren Ursprung hatte die Volkskorrespondenten-Bewegung in den  frühen 1920er Jahren in der Sowjetunion. Die Tradition der LVZ geht  bei den VK bis in die Weimarer Republik zurück. Die Nationalsozialisten verbieten  nach ihrer Machtübernahme 1933 die Zeitung und lassen sie künftig als „Leipziger Neuste Nachrichten“ (LNN) erscheinen. Am 19. Mai 1946 wird die erste Nachkriegsausgabe der LVZ gedruckt, nunmehr als Organ der SED. An die Erfahrungen der 1920iger Jahre wird angeknüpfte und das Veröffentlichen von VK-Texten und Bildern zum festen Bestandteil des Alltagsjournalismus. Ein Blick in die Historie zeigt, dass das Wirken der VK auf das engste mit der Entwicklung der DDR und der Argumentation durch die SED verbunden war. So gab es auch Zeiten, wie nach den Ereignissen vom 17. Juni 1953, wo man die Journalisten als auch ihre ehrenamtlichen Kollegen als Buhmänner  für das politische Versagen hinstellt. Die LVZ-Führung war stets um ein enges  Verhältnis zu ihren „Ehrenamtlichen“ bemüht. Ende der 1960er Jahre zählten die Haupt- sowie die Kreisredaktionen ca. 1.000 Volkskorrespondenten. Für die fachliche Ausbildung und den Erfahrungsaustausch gab es regelmäßige „VK-Treffs“.  Mitte der Siebziger Jahre wurde ein  über 100-seitiges Handbuch mit politisch-ideologischen Grundsätzen aber auch mit journalistischem Grundwissen herausgegeben. Im Anhang des rot eingebundenen Buches befand sich ein „Kleines Lexikon der journalistischen und polygrafischen Fachsprache“.

Handbuch für die Volkskorrespondenten der LVZ vom 01.06.1975

Auch ein  „VK-Beirat“, der aus Mitgliedern und Kandidaten bestand, wurde ins Leben gerufen. Für die VK wurde das interne  Info-Blatt „Der Funke“ herausgegeben.

Beide hatten die Aufgabe,  als Mittler  zwischen den VKs  und der Redaktion zu wirken und die politischen Leitlinien vorzugeben. Eine VK-Akademie war für die Durchführung von Qualifikationslehrgängen verantwortlich. Während des LVZ-Pressefestes 1975 fand eine „VK-Konferenz“ mit über 300 Teilnehmern statt. Diese Praxis wurde bis in die 1980er Jahre beibehalten.  Als Formen der Anerkennung der Tätigkeit der VK gab es neben einer Vergütungspauschale für geschriebene Zeilen und veröffentlichte Fotos auch die moralische Wertschätzung in Form von eines „VK-Wimpels“ und der Verleihung von „VK-Ehrennadeln“.

VK- Wimpel und VK-Ehrennadel

Zu den langjährigen und bekanntesten  VK im Einzugsgebiet dieser Zeitung zählten neben Susanne Töpfer, Wolfgang Stadler (Colditz), Wolfgang Fuchs (Borna) und Wolfgang Müller (Bad Lausick).  

Dieses Gedicht von Susanne Töpfer wurde am 2. April 1965 in den Bornaer Nachrichten veröffentlicht. Eine erneute Veröffentlichung erfolgte in einem Beitrag über sie am 8. Mai 2018 in LVZ Borna/Geithain.

Die Arbeit der VK war nicht unentgeltlich, sie erhielten ein Zeilen- bzw. Bildhonorar.  Mit dem Ende der DDR endete auch die Rolle der VK in den Veröffentlichungen der LVZ. Der Begriff „VK“ wurde abgeschafft und kurzzeitig durch die Bezeichnung „LVZ-Korrespondent“ ersetzt. Heute werden besteht ein  Stamm von freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit ihren Beiträgen unterstützen sie die regionale Nähe der LVZ. Weitere Informationen zur Geschichte der Volkskorrespondenten unter www.pressegeschichte.de.